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Jamie Oliver – Schocktherapie für Couch-Potatoes

16. Juli 2008

Nein, hier geht es nicht um eine Kochsendung in der “The Naked Chief” mal eben eine neues Kartoffel-Rezept aus dem Hut zaubert und es geht auch nicht direkt um die sonst schon öfter von Jamie Oliver thematisierte gesündere Ernährung für televisonophile Kinder.

Jaime’s Hühnerhölle

jaimeoliverWas mich heute an Jamie Oliver interessiert, ist seiner Kochshow “Jamie’s Fowl Dinners”, mit der der britische Starkoch jüngst in Großbritannien für Furore gesorgt hat. Unter dem Namen “Jaime’s Hühnerhölle” war das ganze nun gestern Abend bei RTL2 auch im deutschen Fernsehen zu sehen (siehe Kommentar von Spiegel Online) und regt ebenfalls hierzulande die Gemüter an.  Zu Recht wie ich meine. In der Sendung konfrontiert Jamie Oliver die in einem Restaurant versammelte Zuschauerschaft mit den gängigen Praktiken der Federviehhaltung in der Landwirtschaft Lebensmittelproduktion, um damit die Gräuel der Massentierhaltung anzuklagen. Der Spiegel-Online-Kommentar dazu:

(…) Langsam führt er einen Elektroschocker zum Kopf eines aufgehängten, lebendigen Hühnchens, betäubt das zappelnde Etwas mit einem Stromstoß und lässt es mit einem Stich durch den Schnabel vor laufender Kamera ausbluten. Barbarisch, so mögen viele denken. Wie kann man nur, zur besten Sendezeit …

Man kann, durchaus, wenn man eine Mission hat. Und Jamie Olivers Mission heißt: Die Menschen vor den Bildschirmen davon zu überzeugen, dass unsere Art der Nahrungsmittelproduktion nicht nur absurd, inhuman und lebensfeindlich ist, sondern allen Informationskanälen der vernetzten Welt zum Trotz ein Mysterium bleibt, das selbst aufgeklärte Verbraucher nicht in allen Dimensionen erfassen (…)”

Keine leichte Kost für viele, denen das Hähnchenfilet eher als zugeschweißte Plastikbox im Supermarkt bekannt ist und für den Eier palettenweise im Regal wachsen. Später dann demonstriert Oliver, wie männliche Küken im Auswahlverfahren (das er durch die Zuschauer geschehen lässt) für die Legebatterie vergast werden. Hierzu ein kleiner Ausschnitt (englisch):

Es scheint, als bräuchte man in unserer Mediengesellschaft derartige Skandale,  um den Heerscharen der Komsum-Zombies ein Stück ihres verlorenen Realitätssinns zurückzugeben. Jedes Schnitzel das Herr Zombie isst, hat ein Leben gekostet und Salami wächst auch nicht am Baum. Wenn ich mir den Speiseplan in unserer Mensa oder jeder x-beliebigen Kantine hier in Deutschland anschaue, könnte man allerdings geradezu meinen Kühe würden dazu benutzt Getreide zu füttern. Ein Gericht ohne Fleisch ist doch kein “vollwertiges Essen”.

548px-Ernährungs_PyramideAbgesehen von der eher mangelhaften Wirtschaftlichkeit (Ineffiziente Nutzung von Getreide als Futtermittel  [Quelle], für 1 kg Fleisch werden bist zu 16 kg Getreide benötigt [Quelle, halte ich  für etwas hoch angesetzt], “Für 1 kg Weizen sind fast 1.000 l Wasser erforderlich, für 1 kg Fleisch etwa das Zehnfache” [Quelle]) und dem gesundheitlichem Aspekt (siehe Ernährungspyramide) halte ich es für sehr wichtig einfach eine bewußte Einstellung zum Fleischkonsum zu vermitteln. So geschehen in der  “Hühnerhölle” von Jaime Oliver, dessen Vorstoß auf das Thema ich mehr als begrüßenswert find – ebenso den wohlwollenden Kommentar von Spiegel Online.

Das will ich nun zum einen als Anlass nehmen, um erst einmal meine Hochachtung für Herrn Oliver zum Ausdruck zu bringen, der im Gegensatz zu den meisten anderen Fernsehköchen mehr leistet, als nur neue Rezepte an den Mann (und die Frau) zu bringen.

Earthlings – Eine augenöffnende Dokumentation

Andererseits will ich es dazu nutzen auf eine Dokumentation hinzuweisen, die mich selbst sehr beeindruckt hat: Earthlings

Die unter Mitwirkung von Joaquin Phoenix und Moby entstandene und mehrfach ausgezeichnete Dokumentation zeigt die Abhängigkeit des Menschen von den Tieren. Dabei beleuchtet sie vor allem auch das Verhalten des Menschen gegenüber den Tieren, wobei die häufig auch mit versteckter Kamera gedrehten Filmausschnitte stark zum Nachdenken anregen. Hier die Dokumentation – sie ist nicht gerade leicht zu ertragen, ABER gerade deshalb sollte man sie gesehen haben:

Ich gebe offen zu, dass mir vor Freude, Wut und Traurigkeit die Tränen in die Augen gestiegen sind, als ich den Film vor etwa einem Jahr gesehen habe. Danach habe ich noch lange über das gesehene nachgedacht und für mich persönlich – als “Lebewesen” – meine Schlussfolgerungen gezogen. Earthlings hat nicht nur dafür gesorgt, dass ich mittlerweile Fleisch sehr bewusst esse, sondern es hat mich auch dazu bewegt, weitestgehend auf Fleisch zu verzichten.

Worum es mir geht

“Wieder so ein Vegetarier-Fuzzi auf dem Missionier-Trip!”, werden jetzt wieder viele sagen und mit Sprüchen wie “Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg” um sich werfen.  Nein. Mir geht es nicht darum, den Leuten das Fleischessen auszureden. Aber es auf sinnvolle Maße zu reduzieren und eine Bewusstsein dafür zu entwickeln, das die Steaks nicht in der Kühltruhe des Supermarkts gezüchtet werden, sondern von echten Lebewesen, wie wir selbst, stammen – DAS halte ich nicht nur für äußerst erstrebenswert, sondern auch für sehr mitteilenswert.

Joaquin Phoenix, der die Rolle des Sprechers in Earthlings hat, sagte zu der Dokumentation folgendes:

Of all the films I have ever made, this is the one that gets people talking the most. For every one person who sees Earthlings, they will tell three.”

In diesem Sinne hoffe ich, dass ich über meinen Blogeintrag hier mehr als drei “Erdlinge” erreiche ;)

Gehört: Moby – My Weakness (Play )

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